Die Macht der Drehzahlregelung

Frequenzumrichter für Anlagen planen und auslegen

Die Macht der
Drehzahlregelung

Klimadiskussion, CO2-Ausstoß, Steigerungen bei den Energiekosten: Ein ressourcenschonender Umgang mit Energie steht überall auf der Agenda. Die elektrische Antriebstechnik spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wird der Antrieb passend zur Aufgabe ausgewählt und ausgelegt, können die Lebenszykluskosten deutlich sinken.
Wie für jeden wirtschaftlichen Prozess gilt auch für den Einsatz frequenzgeregelter Antriebe: Betriebswirtschaftlich sinnvoll muss es sein. Dabei hat der Anwender für eine realistische Einschätzung der Wirtschaftlichkeit aber nicht nur die reinen Anschaffungskosten in Betracht zu ziehen. Nach Untersuchungen machen diese bei den Lebenszykluskosten einer Maschine nur etwa 10 Prozent aus. Viel stärker schlagen die Betriebskosten zu Buche, beispielsweise Aufwendungen für Energie, Wartung und Service. Und gerade bei Antrieben mit großer Leistung oder einer großen Zahl von Antrieben in einem zentralen Schaltraum sind die Anschaffungskosten für Klimatisierung, Netzdrosseln und -filter nicht unerheblich. Dazu kommen die Energiekosten für ausreichende Klimatisierung dieser Räume. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt sollte für den Betreiber auch das speisende Netz sein. Ist das Netz bereits durch z.B. weitere Frequenzumrichter vorbelastet oder liegen aktuelle Berechnungsdaten oder Messergebnisse zu einer Netzvorbelastung vor. Diese Punkte sollten stets Gegenstand einer besonderen Betrachtung sein und erfordern entsprechende Maßnahmen.

Passende Auslegung – von der Maschine zum Netz

Eine anwendungsspezifische Auslegung erfolgt grundsätzlich von der Maschine zum Netz hin. Dabei ist eine genaue Kenntnis der Prozesse und der betrieblich notwendigen Reserven sowie eine realistische Abschätzung der Unwägbarkeiten wichtig. Nur so kann der Anwender eine teils deutliche Überdimensionierung des gesamten Antriebs aufgrund sich addierender großzügiger Reserven in den verschiedenen Auslegungsstufen vermeiden. Denn jede unnötige Überdimensionierung wirkt sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit aus. In der Praxis passiert dies vor allem dann, wenn elektrischer und mechanischer Part bei der Auslegung nicht ausreichend kommunizieren. In vielen Fällen entstehen höhere Kosten durch die Auswahl eines zu großen Motors, vor allem aber resultiert dies in dauerhaft größeren Energiekosten als eigentlich nötig. An dieser Stelle ist deswegen eine enge Zusammenarbeit von Betreiber und Anlagenbauer gefordert: Nur der Betreiber kennt den tatsächlichen Bedarf seiner Anwendung. Zu den verfahrenstechnischen Unwägbarkeiten, die berücksichtigt werden müssen, gehören beispielsweise auch die Kennlinienstreuungen von Arbeitsmaschine und Motor. Im extremsten Fall, also oberes Kennlinienband bei der Maschine und das untere beim Motor bzw. umgekehrt, können ein unzureichender Drehmomentverlauf oder im anderen Extrem eine Überlastung die Folge sein.

Motorauswahl bei Frequenzumrichterbetrieb

Für die richtige Auswahl des Motors ist das von der Arbeitsmaschine benötigte Drehmoment entscheidend. Dafür rechnet man auf die prozessbedingt geforderte Leistung alle Zuschläge wie beispielsweise Lagerreibung, Kupplungsverluste oder externe Lüfter auf und erhält über die Betriebsdrehzahl das erforderliche Motormoment. Wichtig auch: Je nach Anwendung und Maschine muss der Anwender das Spitzen- oder Losbrechmoment beachten und auf dieses auslegen. Mit Hilfe der Drehmoment/Drehzahl-Kennlinie unter Ausnutzung der Motorkennlinie und der Stromreserven des Frequenzumrichters, was gleichbedeutend mit der Überlastfähigkeit ist, lässt sich dann der genaue Bedarf ermitteln und mit einem Sicherheitszuschlag belegen. Netzbetrieb und Betrieb am Frequenzumrichter unterscheiden sich voneinander. Dabei sind die Einflüsse des Frequenzumrichterbetriebs abhängig vom gewünschten Drehzahlbereich, dem Einsatz von Fremdlüftern und der Art der Belastung. Beispielsweise erhöht Frequenzumrichterbetrieb die Temperaturen in den Motorwicklungen, bedingt durch nicht sinusförmige Speisung sowie die Taktfrequenz und daraus resultierende zusätzliche Ummagnetisierungsverluste. In manchen Fällen bewährt sich der Einsatz eines kostengünstigen Fremdlüfters, um sich die Auswahl der nächst größeren Motorstufe zu vermeiden. Auf jeden Fall erfolgt die Auslegung des Motors immer nach dem benötigten Drehmoment.

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