Energie als große Klammer

Energie als große Klammer

„In Applikationen denken“

Danfoss will das Spektrum seiner Komponenten ganzheitlicher in die Industrie tragen und konzentriert sich dabei sowohl auf regionale, als auch thematische Schwerpunkte. Im Gespräch mit dem SPS-MAGAZIN, schildert Ole Møller-Jensen, President Central European Region (CER), wohin die Reise gehen soll.
Herr Møller-Jensen, seit dem Frühjahr sind Sie Geschäftsführer der deutschen Danfoss-Niederlassung. Welchen Herausforderungen sehen Sie sich in dieser Funktion gegenüber gestellt?

Ole Møller-Jensen: Danfoss hat sich für eine neue Aufstellung entschieden und konzentriert sein Engagement jetzt vertriebsseitig auf elf Regionen weltweit. Eine davon ist Zentraleuropa, bestehend aus den Ländern Belgien, Holland, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Hier habe ich zwei verschiedene Aufgaben übernommen. Zum einen die Geschäftsführung der Danfoss GmbH in Offenbach. Zum anderen agiere ich als Präsident für das Sales-Center der Region Zentraleuropa.

Warum die neue Aufstellung?

Møller-Jensen: Die ursprünglichen Gründe liegen schon länger zurück: Seit der Krise im Jahr 2008 haben wir dafür gesorgt, dass Danfoss ein viel stärkeres Unternehmen geworden ist. Z.B. durch die Straffung unseres Produktportfolios, wie den Verkauf von Danfoss-Kompressoren in Flensburg oder Bauer Gear Motors in Esslingen. Gleichzeitig haben wir sehr fokussiert auf Kosteneinsparungen hingearbeitet, weniger auf Seite der Fixkosten, als vielmehr im Einkauf oder bei den internen Prozessen. Zudem haben wir ein Programm zur Verbesserung der Produktivität in unseren Fabriken eingeführt und können damit seit fünf Jahren in Folge Produktivitätssteigerungen von rund 10% verbuchen. Das ist ein Ergebnis, mit dem wir zufrieden sind. Zumal es nicht nur Länder wie China oder Indien betrifft, sondern auch Deutschland oder Dänemark. Zukünftig wollen wir verstärkt in unsere Produktentwicklung sowie unsere Technologie-Roadmap investieren. Dabei wollen wir nicht nur das Spiel der Marktverdrängung spielen, sondern auch neue Segmente oder neue Applikationen erschließen.

Um dort erfolgreich zu sein, müssen Sie aber auch entsprechenden Mehrwert bieten, oder?

Møller-Jensen: Added Value kann man in vielerlei Art und Weise erzeugen. Bisher ist Danfoss in seinen Segmenten auch hauptsächlich für das jeweilige Segment aufgetreten. Zukünftig denken wir mehr segmentübergreifend, bündeln dort unser gesamtes Portfolio und schaffen so einen stärkeren Anreiz für Kunden. Bei dieser Entwicklung müssen wir unsere Produktspezialisten mitnehmen. Schließlich ist es eine der großen Stärken von Danfoss, technische Fragen einer Applikation mit dem Kunden auf Augenhöhe zu lösen.

Haben Sie schon Referenzen für diesen Ansatz?

Møller-Jensen: Ja. Die Hafencity in Hamburg ist ein sehr gutes Beispiel. Dort sind fast 100% der Gebäude mit Danfoss-Technik ausgestattet, egal ob Wärme, Kälte oder Antriebstechnik. Mit dieser Kompetenz haben wir uns auch bei der Bottrop-Innovation-City beworben. Weiterhin sind wir Sponsor der Dena-Konferenz in Berlin.

Wenn Danfoss als Sponsor der Dena-Konferenz auftritt, welchen Stellenwert hat die Energiewende in Ihrem Unternehmen?

Møller-Jensen: Die Energiewende sehen wir als wichtigen Wachstumstreiber. Wir wollen die politischen Entscheidungen für unser Unternehmen als Chance nutzen und gleichzeitig mit der richtigen Technik die Vorhaben der Politik stützen.

Wie soll Ihre Rolle dabei genau aussehen?

Møller-Jensen: Unserem Unternehmens-Claim ‚Engineering tomorrow‘ folgend wollen wir heute schon aktiv die Zukunft gestalten. Diesem Auftrag stellen wir uns vor allem in vier Bereichen, die wir mit unserem kompletten Programm adressieren: Der erste heißt bei Danfoss Food und umfasst die Lebensmittelproduktion genauso wie Molkereien, Brauereien oder Supermärkte. Der zweite Bereich ist die Infrastruktur. Hierzu zählen wir aber nicht nur Verkehr und Transport, sondern auch die Versorgung mit Wasser, Wärme oder Strom. Das dritte Segment ist die Energie, die für uns zwei unterschiedliche Aspekte mitbringt: Erstens überhaupt weniger Energie zu verbrauchen und zweitens, Energie möglichst effizient einzusetzen. Hier ist die Antriebstechnik natürlich ein wichtiger Punkt: Es gibt zwar heute kaum mehr Neuinstallationen ohne Umrichter, aber es gibt immer noch einen riesigen Bestand an ungeregelten Motoren. Zum Bereich Energie gehören für uns aber auch Kälte- und vor allem Wärmeeffizienz. Letztere ist der am meisten unterschätzte Punkt auf der Agenda der Energiewende. Heute verbrauchen wir in Deutschland mehr Wärme denn je – dabei soll im Rahmen der Energiewende ein Zielkorridor erreicht werden, der rund 20% unter den festgelegten Bezugswerten liegt.

Welches ist der vierte Bereich, den Sie als Lösungsanbieter bedienen wollen?

Møller-Jensen: Nummer vier sind die Emissionen. In den meisten Fällen ist es schwierig, Menschen oder Unternehmen dazu zu bringen, für die CO2-Reduzierung direkt zu zahlen. Deshalb handelt es sich hier in gewisser Weise um das Ergebnis der drei anderen Bereiche. Insgesamt hat Danfoss für die Energiewende einiges zu bieten und deshalb ist es uns wichtig, dass Kunden und Politiker uns als Partner für die Energiewende wahrnehmen.

Welche Rolle spielt dieses Engagement strategisch? Schließlich sind Sie der einzige Technologielieferant unter den Sponsoren der Dena-Konferenz.

Møller-Jensen: Heute das Leben von morgen zu gestalten – damit geht eine große Verpflichtung einher. Um gemäß unseren Vorstellungen wahrgenommen zu werden, müssen wir die Zielrichtung wirklich verkörpern und entsprechend agieren. Ansonsten bleibt nur ein Werbeslogan. In diesem Prozess richten wir auch unsere Messeauftritte gemäß unserer Mission aus. Denn dort können wir gut zeigen: Danfoss kommt aus der Praxis und kann dem Kunden helfen, jetzt und heute.

Sie wollen also auf der einen Seite das Visionäre der Energiewende mit der heute verfügbaren Technik auf der anderen Seite unter einen Hut bringen?

Møller-Jensen: Ja, das ist richtig. Das wichtigste ist es, dem Kunden aufzeigen zu können, dass man viele Aspekte der Vision schon heute leben kann. Der Wandel beginnt langsam, aber irgendwann greift er bei vielen Anwendern und dann wird es ganz schnell gehen. Der Bevölkerung ist Danfoss ja hauptsächlich durch seine Heizkörperthermostate ein Begriff und es ist fantastisch, dass wir ein Produkt haben, mit dem die meisten Leute unseren Namen verbinden. In den Industriebereichen, in denen wir tätig sind, zählt dieser Punkt weniger. Aber dort sind wir mit unserem Klimatisierungs- und Umrichterangebot beileibe kein unbeschriebenes Blatt.

Wie würden Sie Ihr Unternehmen denn selbst beschreiben?

Møller-Jensen: Wie wir gerne gesehen werden wollen? Als der Energieriese. Nicht im Sinne eines großen Energieversorgers, sondern weil wir uns mit Energie in allen Formen beschäftigen. Und damit, wie man diese bestmöglich einsetzen kann, um heute schon das Leben von morgen zu gestalten.

Auf der SPS IPC Drives, die quasi vor der Tür steht, zählen ja vor allem Komponenten und die praktische Basis. Welche Ziele haben Sie sich für die Fachmesse gesteckt?

Møller-Jensen: Dem Charakter der Messe folgend, zeigen wir in Nürnberg natürlich wieder, welche Produkte wir im Programm haben und welche Probleme sich damit lösen lassen. Das hindert uns aber nicht daran, auf der SPS IPC Drives auch über Energieeinsparung, Verbrauchsoptimierung und Prozessverbesserung zu sprechen. Ein weiteres großes Anliegen auf der Messe ist es zudem, Besuchern zu zeigen, dass und wie wir das Portfolio von Vacon in das Unternehmen Danfoss und unser Produktprogramm integriert haben. Wir fahren auch in Zukunft zweigleisig und lösen keines der Programme auf, denn die Kunden haben ja einen Anspruch darauf, ihre Produkte auch weiterhin zu bekommen. Das ist ein ganz wichtiges Signal und unterstützt uns sehr, in unserm Anspruch als Top-Player im Marktsegment Frequenzumrichter.

Sie waren lange Zeit für die Antriebstechnik bei Danfoss verantwortlich. Mit welchem Gefühl gehen Sie persönlich auf die Messe in diesem Jahr?

Møller-Jensen: Ich freue mich sehr auf die SPS IPC Drives, wenn auch nicht mehr als Hauptplaner und offizieller Gastgeber von Danfoss. Aber das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch. Mein Blickwinkel wird entsprechend der jetzigen Aufgaben mehr Lösungen statt einzelnen Komponenten gelten und ich bin sehr gespannt auf die Anregungen und Erkenntnisse aus den Gesprächen vor Ort.

Hat die Antriebstechnik in der neuen Danfoss-Sicht durch die Engineering-Tomorrow-Brille den größten Stellenwert?

Møller-Jensen: Wie schon erwähnt sind alle Produkte von Danfoss sehr wichtig für die Energieoptimierung der Industrie und für den ganzen Gebäudesektor, nicht zuletzt im Wärmebereich. Dies ist aber nicht der Schwerpunkt für die SPS und deswegen hat die Antriebstechnik die größte Bedeutung auf der Messe. Durch die Akquisition von Vacon ist Danfoss Nummer zwei der Umrichterhersteller weltweit. Jetzt lautet unser Anspruch selbstverständlich, Nummer eins zu werden. Auch darum hat das Danfoss-Drives-Segment eine besondere Rolle. n

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