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Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung
Herausforderung für Firmen, Chance für die Digitalisierung
Wir erleben den größten Einbruch der Weltwirtschaft seit dem 2. Weltkrieg, wenn nicht den 1930er Jahren, meint Wolfgang Weber. Wie der Vorsitzende der ZVEI-Geschäftsführung berichtet, sanken Produktion, Umsatz und Export der deutschen Elektroindustrie in den ersten neun Monaten 2020 pandemiebedingt je um rund acht Prozent gegenüber Vorjahr. Was er auch beobachtet, ist eine noch stärkere Hinwendung der Branche zur Digitalisierung.

Die Zahl der Beschäftigten in unserer Branche liegt derzeit bei knapp 877.000. Das sind etwa 9.000 weniger als noch zu Jahresbeginn. Diesen moderaten Rückgang verdanken wir auch dem Instrument der Kurzarbeit, das zuletzt rund 155.000 Beschäftigte in Anspruch nahmen. Für das gesamte Jahr 2020 erwarten wir für die deutsche Elektroindustrie einen Produktionsrückgang von sieben bis acht Prozent.

Binnennachfrage statt Export

Im Frühjahr wurden die globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten vor eine Zerreißprobe gestellt. Diese vorübergehenden angebotsseitigen Störungen konnten dann aber tatsächlich vergleichsweise schnell behoben werden. Inzwischen stellt ein Mangel an Aufträgen – nicht zuletzt aus dem Ausland – den größten produktionshemmenden Faktor dar. Aus früheren Rezessionen hat sich Deutschland regelmäßig ‚herausexportieren‘ können. Das gestaltet sich diesmal mit Ausnahme von China und einigen asiatischen Ländern deutlich schwieriger, weil so viele Länder gleichzeitig mit schweren Rezessionen zu kämpfen haben und deshalb weniger importieren. Entsprechend kommt es jetzt mehr auf die Binnennachfrage an. Und hier hat die Wirtschaftspolitik mit den Rettungspaketen ja auch einiges geleistet, um sie zu stabilisieren.

Planungssicherheit war einmal

Der Ausblick auf das nächste Jahr bleibt mit größten Unsicherheiten behaftet, nicht nur aufgrund der Pandemie. Weiterhin belasten vor allem die zahlreichen Handelsstreitigkeiten. Gerade bei den Handelsthemen ist die EU gefordert, schnellstmöglich Planungssicherheit herzustellen. Darüber hinaus muss die EU-Industriestrategie einen Rahmen schaffen, der die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärkt. Anzusetzen ist insbesondere bei grünen und digitalen Schlüsseltechnologien, die Europa im globalen Wettbewerb braucht.

Mittelmaß ist fatal

Viele unserer Mitglieder und auch wir haben im März dieses Jahres – wo immer möglich – die Mitarbeiter von heute auf morgen ins Homeoffice geschickt. Das wäre vorher undenkbar gewesen und dennoch hat es in den meisten Fällen ziemlich gut funktioniert. Doch die Umstellung ist natürlich nicht überall in gleicher Weise geglückt. Große Defizite zeigen insbesondere unsere Schulen, vor allem wenn es an digitaler Ausrüstung und Fachkompetenz mangelt. Schonungslos zeigt uns Corona, dass Deutschland bei der Digitalisierung im Mittelfeld rangiert. Mittelmaß ist auf Dauer fatal. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Wertschöpfung künftig elementar von der digitalen Fitness abhängt. Auch sind Digitalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit eng miteinander verknüpft. Selbst eine Pandemie lässt sich mit digitalen Technologien besser bekämpfen. Gesellschaft und Wirtschaft müssen deshalb noch mehr in die Digitalisierung investieren. Diese Botschaft ist in der Industrie und damit bei unseren Mitgliedsunternehmen angekommen – sie wollen ihre Digitalisierungsbudgets weiter hochschrauben. Das belegen unsere Umfragen bei Mitgliedern eindeutig. Von der Politik erwarten wir, dass diese Entwicklung gestärkt wird, beispielsweise indem den industriellen B2B-Chancen nicht leichtfertig die aufkommende B2C-Regulierung übergestülpt wird.

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