Systems Engineering

Systems Engineering

Produkt, Prozess und Faktor Mensch

Der Automatisierunganbieter RK Rose+Krieger setzt in seiner Produktentwicklung künftig auf Systems Engineering und fokussiert dabei neben Produkten und Prozessen auch den Faktor Mensch. Im Cluster it’s OWL trägt das Unternehmen gemeinsam mit dem Forschungspartner Fraunhofer IEM in einem Transferprojekt dazu bei, die wissenschaftlichen Methoden des ganzheitlichen Entwicklungsansatzes auch für mittelständische Unternehmen anwendbar zu machen.

Komplexe Steuerungen stellen große Herausforderungen an die Entwicklungsabteilungen. (Bild: RK Rose+Krieger)

Komplexe Steuerungen stellen große Herausforderungen an die Entwicklungsabteilungen. (Bild: RK Rose+Krieger)


Vorgehensweisen, Methoden und Werkzeuge des Systems Engineering (SE) adressieren vornehmlich große Unternehmen und sind nicht auf die spezifischen Rahmenbedingungen von kleinen und mittleren Unternehmen zugeschnitten. Aber besonders hier stehen Entwicklungsabteilungen vor enormen Herausforderungen, wie das Beispiel RK Rose+Krieger zeigt: Das Unternehmen mit etwa 560 Mitarbeitern weltweit entwickelt am Standort Minden Komponenten und Systemlösungen für die Automatisierungstechnik. Neben Katalogartikeln und modifizierten Standards gehören auch kundenspezifische Entwicklungen zum Repertoire. Ein zunehmend globaler Wettbewerb und unterschiedliche Anforderungen in den jeweiligen Marktregionen, der Zuwachs an Individualität und kundenspezifischen Anforderungen sowie das Spannungsfeld zwischen Qualität, Lieferzeit und Preis stellen das Unternehmen vor Herausforderungen. Hinzu kommt die zunehmende Vernetzung und der steigende Elektronik- und Softwareanteil in den Lösungen, die zu einer stetig wachsenden Systemkomplexität führen.

Systems Engineering im Mittelstand

Um auch künftig wettbewerbsfähige Produkte anbieten zu können setzt RK auf ein stärkeres Einbinden von Systems Engineering. Das ist für mittelständische Unternehmen derzeit jedoch deutlich schwieriger als für Großunternehmen: Oft können keine Kapazitäten frei gemacht werden, um neben dem Alltagsgeschäft neue Prozesse ins Unternehmen zu bringen. Auch der Zugang zu technologischem Know-how ist schwierig; ein unternehmenseigenes Forschungsbudget existiert oft nicht. „Mittelständische Unternehmen haben aber auch strategische Vorteile gegenüber Konzernen“, so Michael Amon, Technischer Leiter bei RK. „Eine besondere Stärke ist unsere Flexibilität. Wir arbeiten in kleinen Entwicklungsteams und profitieren von flachen Hierarchien.“ Unterstützt wird das Unternehmen bei der SE-Einführung von der Fraunhofer-Einrichtung für Entwurfstechnik Mechatronik IEM, die seit einigen Jahren Methoden und Werkzeuge des Entwicklungsansatzes erforscht. Ziel ist die disziplinübergreifende Zusammenarbeit vom Systementwurf, über die Spezifikation und Integration bis über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. „Die heutige Produktentwicklung ist schon lange kein linearer Prozess mehr“, sagt Anja Czaja, Wissenschaftlerin am Fraunhofer IEM, „Anforderungen vom Kunden, vom Zulieferer und aus den einzelnen Fachdisziplinen müssen zusammengebracht und im Sinne eines effizienten Änderungsmanagements über den gesamten Entwicklungsprozess beibehalten bzw. angepasst werden.“ Die mittelständische Unternehmenslandschaft profitiert von der Forschung des Fraunhofer IEM in Form von Transferprojekten im Rahmen des Clusters it’s OWL.

Bedarfsgerechte SE-Strategie

RK etabliert einen bedarfsgerechten Systems-Engineering-Prozess, der die in der disziplinübergreifenden Entwicklung durchzuführenden Prozessschritte beschreibt und sie mit den entsprechenden Methoden und Werkzeugen verknüpft. Im Fokus steht hierbei die Neugestaltung des disziplinübergreifenden Systementwurfs, also die Konzipierungsphase. Die parallele Überarbeitung seines Produktdatenmanagements hin zu einem interdisziplinären und durchgängigen Umgang mit Daten steht mit der Einführung von SE in enger Wechselwirkung. Erfolgsfaktor dabei ist die Orientierung an den bestehenden Rahmenbedingungen im Unternehmen. „Wir wollten mit dem Projekt nicht das grundsätzlich Mögliche möglich machen, sondern gezielt die für unsere spezifische Situation notwendigen Ansätze herausarbeiten“, sagt RK-Entwicklungsleiter Rolf Lampert. Die bedarfsgerechte SE-Strategie wurde in mehreren Schritten entwickelt. Grundlage war eine disziplinübergreifende Arbeitsgruppe, die es ermöglichte, sowohl den Entwicklungsprozess als auch das zu entwickelnde Produkt aus allen beteiligten Perspektiven zu betrachten. Zunächst analysierten die Projektpartner den bestehenden Entwicklungsprozess im Unternehmen, konkret anhand der Entwicklung der neuen Steuerung MultiControl II. In Workshops kamen Kollegen aus den an der Entwicklung beteiligten Fachbereichen wie Mechanik, Elektronik, Software und Vertrieb zusammen. Sie bildeten den Entwicklungsprozess mithilfe der Modellierungssprache Omega modellhaft ab und identifizierten Verbesserungspotential. Besonderes Augenmerk lag auf der Analyse der Wechselwirkungen zwischen den beteiligten Fachbereichen, etwa der Elektrotechnik und der Antriebstechnik.

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren