Wandert die Steuerung in die Cloud?

Wandert die Steuerung in die Cloud?

Seit längerem wurde – eher akademisch – die Frage diskutiert, ob die Steuerung in die Cloud wandert. Spätestens seit der Hannover Messe dürfte jedem klar sein, dass sie dort bereits angekommen ist – ganz praktisch. An mehreren Messeständen konnte man Lösungen dazu sehen. Doch die SPS vor Ort hat noch lange nicht ausgedient.
Um es kurz zu machen: Sie ist dort bereits angekommen – wenn auch manchmal noch als Studie bzw. Vorprodukt. Zum Beispiel an den Messeständen von Beckhoff, IBHsoftec oder bei Beck IPC konnte man sich bereits lauffähige Versionen von Steuerungen in der Cloud vorführen lassen. Natürlich werden schon heute viele Steuerungsvorgänge aus dem Internet vorgenommen; vielen bekannt sind Steuerungen für Smart Homes, die über das Internet konfiguriert werden. Wenn wir in der Industrie von der Steuerung in der Cloud reden, dann sprechen wir jedoch davon, dass ein echter SPS-Kern mit einer üblichen SPS-Engineeringsoftware programmiert wird und entsprechende I/O-Signale bearbeitet. Die Signale sind heute noch der Flaschenhals in dieser Art der Lösung, müssen sie doch möglichst deterministisch zur Verfügung stehen. Das ist – Stand heute – über das Internet noch nicht zuverlässig möglich. Auf der Messe habe ich Reaktionszeiten gesehen, die im mittleren zweistelligen Millisekundenbereich lagen, allerdings manchmal auch weit darüber. Genau diese Ausreißer nach oben sind das Problem.

Ende 2013 startete das, als technisch sehr ambitioniert eingeschätzte, BMBF-Projekt ‚Industrielle Cloudbasierte Steuerungsplattform für eine Produktion mit Cyber-Physischen Systemen‘ kurz picasso. Hier wurden die Grenzen von Steuerungstechnik aus der Cloud ausgelotet. In der Artikelserie ‚Steuerungstechnik aus der Cloud – Vision, Fiktion oder schon Realität‘ widmet sich das SPS-MAGAZIN ab der nächsten Ausgabe gemeinsam mit dem ISW Stuttgart dem Thema in sieben Beiträgen. Dabei geht es um Fragen wie: Folgt auf die Anbindung der Steuerungstechnik an IT-Systeme eine Integration in diese? Werden in absehbarer Zukunft SPS, Motion und CNC nur einzelne Anwendungen unter vielen sein, die nach Bedarf auf Cloud-Plattformen instanziiert, ausgeführt und nach Abarbeitung des Auftrages wieder gelöscht werden? Den Abschluss bildet dann der Kongress ‚Stuttgarter Innovationstage – Steuerungstechnik aus der Cloud‘ am 24. und 25. Januar 2017 in Stuttgart, an dem das Thema mit Experten aus unterschiedlichen Bereichen diskutiert werden kann.

Die Datenwolke wird uns also ständig begleiten. In dieser Ausgabe stellen wir – übrigens als erstes Fachmagazin – die SPS-Cloud-Lösung von Beckhoff ausführlich vor (S. 56ff.).

Ich wünsche Ihnen wie immer viel Spaß beim Lesen der vorliegenden Ausgabe,

Ihr Kai Binder

kbinder@sps-magazin.de

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