„Die Zeichen der Zeit deuten“

Interview mit Bachmann-CEO Bernhard Zangerl

„Die Zeichen der Zeit deuten“

Auch wenn der Weg in die industrielle Zukunft noch nicht im Detail vorherzusagen sei, lasse sich aus heutiger Perspektive schon relativ klar ablesen, mit welchen grundsätzlichen Herausforderungen Maschinenbauer und Automatisierer im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung künftig konfrontiert werden, sagt Bernhard Zangerl. Im Interview mit dem SPS-MAGAZIN zählt der Geschäftsführer von Bachmann Electronic die neuen Technologien genauso dazu, wie Veränderungen im Portfolio, steigende Anforderungen, neue Geschäftsmodelle oder geografische Verschiebungen.

 (Bild: Bachmann Electronic GmbH)

(Bild: Bachmann Electronic GmbH)

Die aufstrebende Digitalisierung bestimmt die aktuellen Diskussionen in der Industrie. Was kommt hier genau auf produzierende Unternehmen in Europa zu, Herr Zangerl?

Bernhard Zangerl: Technologisch geht es vor allem um Innovationen, mit denen man als Konsument heute zum Teil schon längst konfrontiert ist. Denn diese Seite hat sich schneller entwickelt als der professionelle Bereich – was sicherlich auf die speziellen Ansprüche in der Industrie zurückzuführen ist, z.B. in Bezug auf Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit oder Sicherheit. Welche Standards und Technologien sich im Maschinenbau letztendlich durchsetzen werden, lässt sich nicht genau abschätzen, aber es werden zukünftig sicher viele neuartige Funktionen und Möglichkeiten die Automatisierungslösungen und Anwendungen prägen.

Sehen Sie hier Parallelen zum Smartphone, bei dem man auch erst mit der Zeit herausgefunden hat, was alles damit möglich ist?

Zangerl: Ja. Ursprünglich steht hinter Schlagwörtern wie Industrie 4.0 oder IoT die Intention, eine ganze Branche zu lenken und zukünftige Chancen wie Risiken möglichst früh zu erkennen. Was die Digitalisierung aber konkret bedeutet und wie sie sich auf die Prozesse der Industrie in fünf oder zehn Jahren auswirken wird, ist aus heutiger Sicht aber noch sehr schwierig bzw. fast unmöglich zu prognostizieren. Fest steht: Es sind mehr und mehr disruptive Effekte zu erwarten, denn nicht nur bei der Technik, auch bei den Geschäftsmodellen werden sich neue Ansätze durchsetzen, an die wir heute vielleicht noch gar nicht denken.

Was bedeutet das für Maschinenbauer und die Anbieter von Automatisierungstechnik?

Zangerl: Durch den steigenden Einfluss der Digitalisierung und die technologischen Möglichkeiten ändern sich die Märkte immer schneller und bieten dabei viele neue Möglichkeiten. Deswegen werden diejenigen Unternehmen erfolgreich sein, die agil aufgestellt sind und denen es gelingt, vorausschauend neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Es liegt also an den Automatisierern und Maschinenbauern, die Zeichen der Zeit möglichst früh zu deuten.

Aber ist die Geschwindigkeit in der Industrie nicht erfahrungsgemäß eine ganz andere als im Consumer-Umfeld?

Zangerl: Generell ist die Mentalität der Industriebranchen schon konservativer, aber das war nicht immer so: Als ich vor drei Jahrzehnten ins Berufsleben startete, war die industrielle Seite in vielen Bereichen der Vorreiter und hat verschiedene Entwicklungen zu den Endkonsumenten getragen. Stand heute sind hingegen die Innovationszyklen im Consumer-Bereich ungleich dynamischer.

Es sind mehr und mehr disruptive Effekte zu erwarten - nicht nur bei der Technik, auch bei den Geschäftsmodellen. Bernhard Zangerl, Bachmann Electronic (Bild: Bachmann Electronic GmbH)

Es sind mehr und mehr disruptive Effekte zu erwarten – nicht nur bei der Technik, auch bei den Geschäftsmodellen.
Bernhard Zangerl, Bachmann Electronic (Bild: Bachmann Electronic GmbH)

 

Die Lebenserwartung von Maschinen ist ja auch deutlich länger als die von Consumer-Elektronik und Co.

Zangerl: Pauschal betrachtet ist das so, aber bei genauerem Hinsehen gibt es schon Unterschiede. So haben sich in manchen Bereichen kurze Innovationszyklen von wenigen Jahren etabliert. In vielen anderen Fällen müssen Maschinen und Anlagen hingegen nach wie vor mehrere Jahrzehnte funktionieren. Insgesamt ist es wohl auch eine Generationsfrage: Die heutigen Entscheider sind vielleicht eher noch Bewahrer mit gewissen Berührungsängsten gegenüber den neuartigen Möglichkeiten welche die Digitalisierung bietet. Die nachfolgenden Generationen, die heute im digitalisierten Umfeld schon ganz selbstverständlich agieren, werden jedoch kürzere Innovationszyklen mit in die Industrie bringen.

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