Wie wirkt sich die Pandemie auf die Fabrik aus?
Die Produktion in Corona-Zeiten
Die Grean GmbH, eine Ausgründung der Leibniz Universität, hat Effekte der Krise in einer Studie mit Produktionsunternehmen untersucht. Insgesamt wurden rund 90 Unternehmen u.a. aus den Branchen Metallverarbeitung, Maschinen- und Anlagenbau sowie Kunststoffverarbeitung befragt.
Factory workers with face mask protect from outbreak of Corona Virus Disease 2019 or COVID-19.
Bild: ©Blue Planet Studio/AdobeStock.com

Durch die Corona-Krise ist die Weltwirtschaft eingebrochen, Lieferstrukturen sind in sich zusammengestürzt, Fabriken waren geschlossen. Produktionsunternehmen mussten ihren Betrieb kurzfristig und drastisch umstellen. Nach dem Lockdown geht es inzwischen weiter. Doch wie genau und welche Aspekte sind wichtig? Welchen Einfluss hat Corona auf die Performance der Produktion? Eine Studie der Grean GmbH, eine Ausgründung aus dem Institut für Fabrikanlagen und Logistik der Leibniz Universität Hannover (LUH), ist der Frage nachgegangen, wie sich die Pandemie konkret auf Produktionsunternehmen ausgewirkt hat.

90 Unternehmen befragt

Dafür wurden zwischen Mitte Juni und Mitte Juli eine Befragung von knapp 90 Unternehmen durchgeführt. Im Mittelpunkt standen die Fragen nach logistischen Indikatoren wie der Auslastung der Produktion, den Beständen, der Lieferperformance oder der Fertigungstiefe. An der Befragung beteiligt waren hauptsächlich Unternehmen aus den Branchen Metallverarbeitung, Maschinen- und Anlagenbau sowie Kunststoffverarbeitung mit rund 250 bis 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Kurzer Schreck

Ein interessantes Ergebnis ist, dass viele der befragten Produktionsunternehmen die Corona-Pandemie als ‚kurzen Schrecken mit schnellem Ende‘ beschreiben. Die wirtschaftliche Gesamtlage empfinden viele trotz allem als überraschend gut – durchaus ein Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung der Situation. Instrumente wie Kurzarbeit oder auch die Aufgabe von bestimmten Glaubenssätzen konnten offenbar durch die Krise retten. So werden Bestände im Lager oft nicht mehr per se als ‚böse‘ gesehen, sondern es werden höhere Bestände – und damit Kosten – akzeptiert, um zukünftige Risiken in der Supply Chain abzusenken.

Digitalisierung als Stellhebel

Zudem zeigt sich, dass viele Befragte die Digitalisierung der Produktion sowie klassische Effizienzthemen als zentrale Stellhebel sehen, um aus der Krise zu kommen. Dennoch gibt nur eine Minderheit der Befragten an, dass sie Produktionsstrukturen grundsätzlich hinterfragen werden, um ihre Fertigung effizient zu gestalten und ihre Strukturen auf Resilienz auszurichten. „Hier liegt durchaus ein Risiko, denn die Zeit nach Corona wird nicht mehr so wie vor der Krise sein“, sagt Dr. Tobias Heinen, Geschäftsführer von Grean. „Die Studienergebnisse sind sehr wertvoll, denn nun können wir viel zielgerichteter Ratschläge für die Produktion der Zukunft geben.“

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Institut für Technische Verbrennung
http://www.ipeg.uni-hannover.de

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